STELLPLATZ DES MONATS

vom 10.05.09

SENKRECHTSTARTER IN BIERFRANKEN

Eine Brauerei mausert sich zum Stellplatz-Mekka in Franken. Der Stellplatz an der Brauerei Reichold in der Weltrekordgemeinde Aufseß wird toll angenommen. 52 Mobile machten eine Expedition ins Bierreich.

Der Stellplatz in Aufseß ist der Senkrechtstarter unter den Reisemobilstellplätzen des letzten Jahres. Ein Stellplatz in der Natur, direkt an einem gemütlichen Gasthof gelegen – das schmeckt doch fast jeder Mobilbesatzung. Im Ortsteil Hochstahl ist der Brauereigasthof Reichold seit über 100 Jahren ansässig. Nachdem die Fremdenzimmer eigentlich immer gut belegt waren, hatte Juniorchef Jörg Reichold die Idee, im Hof der Familienbrauerei einen Reisemobilstellplatz anzulegen.

Doch schön der Reihe nach. Die Heimat des Bieres liege in Bayern, meinen viele Menschen. Stimmt. In bayerischen Gefilden aber ist ganz klar das Frankenland in Führung. Bierfranken ist der Gegenbegriff zum größtenteils unterfränkischen Weinfranken. Der Schwerpunkt liegt in Oberfranken, welches mit über 200 Brauereien die höchste Brauereidichte der Welt hat. Auf lediglich 5511 Einwohner kommt im Durchschnitt eine Brauerei.

Den Vogel schießt aber die kleine Gemeinde Aufseß ab, in der auf rund 1500 Einwohner vier Brauereien gerechnet werden müssen. Nach Adam Riese macht das eine Brauerei auf 375 Einheimische. Mit dieser Quote schaffte es Aufseß im Jahr 2000 zu einem Eintrag in das Guinness- Buch der Rekorde und wurde so zum Weltmeister geadelt. Und weil das hier produzierte Bier trotz aller Anstrengungen nicht von den Einheimischen allein getrunken werden kann, laden die Aufseßer gerne Gäste zu einer Expedition ins Bierreich ein. Vor dem Vergnügen aber kommt ein wenig Anstrengung in der Fränkischen Schweiz: Der Brauereienweg will bewältigt werden. Bei der 14 Kilometer langen Rundwanderung lässt man sich seinen Brauereienweg-Wanderpass in den vier Brauereigaststätten abstempeln und erhält als Lohn eine Urkunde, die den Bierpilger als „Fränkischen Ehrenbiertrinker der Weltmeisterbrauereien“ ausweist.

Die Expedition beginnt in unserem Fall in Hochstahl. Ein schöner Weg führt hinunter ins Aufseßtal. Bei einem Abstecher kommt man zum ehemaligen Amtssitz der Herren von Aufseß, Ende des 17. Jahrhunderts erbaut. Innen residiert die Kathi-Bräu in einer urigen Gaststube. Danach geht’s flussaufwärts nach Aufseß. Im Brauereigasthof Rothenbach kann nach Vereinbarung eine Brauereibesichtigung mit Bierprobe gemacht werden. Die Wanderbeschilderung blauer Ring führt am Mühlengrund vorbei nach Sachsendorf. Im Brauereigasthof Stadter werden Bierbrautage von Mai bis September durchgeführt. Nach dem Löschen des größten Dursts geht es weiter über Hundshof nach Hochstahl zurück. Hier parkt das eigene Bett im Reisemobil, und so kann bei einem hausgebrauten fränkischen Lagerbier – nicht so süß, leicht gehopft und sehr süffig – der Tag im Brauereigasthof Reichold ausklingen.

Der über 100 Jahre alte Betrieb ist heute gut bestellt. Junior Jörg Reichold hat bereits mit 21 Jahren seine Ausbildung zum Handwerksmeister im Brauer- und Mälzerhandwerk abgeschlossen, so lebt die kleine Brauerei schon in der vierten Generation. Der Nebenraum des Gasthofs bietet Platz für 150 Personen und eignet sich damit für Reisemobiltreffen – mit Bierwanderung, versteht sich.

„Du wirst doch nicht glauben, dass irgend je - mand auf unserem Hof übernachtet“, meinte Vater Hilmar Reichold, als sein umtriebiger Sohn die Idee mit den Reisemobilstellplätzen hatte. Trotzdem kaufte Jörg vom eigenen Geld eine Silver- S-Ver- und -Entsorgungsstation, installierte sie und startete das neue Projekt für neue Gäste (promobil berichtete in Heft 10/2008). Es kam, wie es kommen musste. Die ursprünglich vorgesehenen Plätze auf dem asphal tierten Hof reichten nicht aus. Also ließ Jörg die angrenzende Wiese auskoffern und schuf weitere Plätze auf Schotterstreifen und Wie senflächen. Kurz vor Ostern war es dann so weit. Am offiziellen Eröffnungswochenende waren in Spitzenzeiten 52 Reisemobile bei Reichold zu Gast. Da waren nicht nur Vater Hilmar und Mutter Katinka zufrieden. Auch der Pfarrer fand christlich lobende Worte, und Bürgermeister Ludwig Bäuerlein wünschte der Familie Rei chold verschmitzt viel Glück mit den Reisemobilgästen. Hatte er doch unbürokratisch die Genehmigung des Stellplatzes nach dem Blitzstart von Jörg Reichold nachgereicht. Vermutlich bei einem oder zwei oder drei hausgebrauten Lagerbier. Dass der junge Braumeister auch noch Zeit hat, den Fortbestand der Reichold-Dynastie zu sichern, ist klar. Söhnchen Fabian kurvt mit dem Kindertraktor über den Hof, und Jörgs Ehefrau Karin fährt bald wieder einen Kinderwagen durch Aufseß.

Ein Stellplatz in der Natur und ein Gasthaus, in dem die Preise noch be zahlbar sind. Die Halbe für weniger als 2 Euro, den gemischten Braten mit Klöß’ und Salat unter 7 Euro und danach den hausgemachten Bierschnaps. Hier ist die Welt noch in Ordnung, jeder Gast wird persönlich begrüßt. Reisemo bilurlaub in Deutschland kann so schön sein.

Hans-Jürgen Hess
pro-mobil


Brauereienweg

Wegen der Brauereidichte ( 375 Einwohner pro Brauerei ) ist die Gemeinde Aufsess in das Guinness-Buch der Rekorde 2001 aufgenommen worden. Mehr zum Brauereiweg finden Sie hier

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