Chronik der Brauerei Reichold

Diese Rede hat mein Vater zum 100jährigen Jubiläum im Jahre 2006 im Festzelt gehalten.

100 Jahre Brauerei und Gasthof Reichold ist doch ein schönes Jubiläum, das sich lohnt, auch gebührend gefeiert zu werden. Deshalb haben wir uns entschlossen, heute diesen Jubiläumsabend  mit  Ihnen zu feiern. In den letzten Wochen habe ich mich intensiv mit der Vergangenheit und der Geschichte unserer Brauerei befasst. Bei meinen Nachforschungen stellte ich fest, dass meistens bereits nach 2 oder 3 Generationen die Firmen den Besitzer beziehungsweise die Familie gewechselt haben. Wird sind deshalb besonders Stolz, in der 4. Generation den Betrieb zu führen und bald an die 5. weiter zugeben.

In welchem Jahr unsere alte Brauerei und Gasthof gebaut wurde, konnte ich leider nicht mehr feststellen. Der bekannte Kurat Hollfelder schrieb in der Familiengeschichte der Familie Westermeyer, dass Papierfabrikant Herr Andreas Westermeyer um 1800 von Niederbayern nach Draisendorf zog.
Sein Sohn Franz geb. 1802 wurde zuerst Wirt in Neuhaus und kam dann nach Hochstahl und begründete mit seinen Sohn Friedrich die Brauerei und Gastwirtschaft Westermeyer. Durch Zufall kamen wir jetzt an Postkarten aus dieser Zeit. Deutlich kann man den Namen am Haus „ Brauerei von Friedrich Westermeyer“ lesen.

1864 wurde in Ortspitz mein Uropa Herr Johann Simon Reichold geboren. Er heiratete Frau Margarete Thaler aus Burggrub. Sie kauften die Bäckerei in Hochstahl und handelten nebenbei mit Mehl und Holz. Auch von diesem Geschäftshaus haben wir Postkarten mit der Schrift „Handlung und Bäckerei Johann Reichold“. Interessant ist auch, dass der Ort Hochstahl bereits 1223 unter dem Namen Habichstal benannt wurde. Später fand ich die Namen Habstall und Habstal. 1770 wurde Ort mit Hohenstahl beschrieben. 1801 fand ich folgenden Eintrag: Hochstall, jetzt wurde der Ort mit doppel ll geschrieben, hat eine Pfarrkirche zum heiligen Johannes, ein Pfarrhaus, ein Schulhaus und Bräuhaus mit Wirtsschenke. Somit wurde also bereits vor 1801 in unserer Brauerei Bier gebraut.

1875 wurde dann Hochstall in den jetzigen Namen Hochstahl geändert.

1906 verkaufte Herr Westermeyer die Brauerei und das Anwesen.
Jetzt verkauft unser Uropa Johann die Bäckerei an seinen Schwager Wilhelm Thaler und kaufte die Brauerei mit Wirtshaus und einen Teil der Felder. Ich fand im Archiv der Handwerkskammer Bayreuth heraus, dass Wilhelm Thaler am 1.3.1906 in der Handwerksrolle als Bäckermeister eingetragen wurde. Somit feiert auch die heutige Bäckerei Brand 100 jährigen Geburtstag. Dazu möchte ich an dieser Stelle recht herzlich gratulieren. Johann Simon hatte mit seiner Frau Margarete 5 Kinder.
Barbara wurde 1892 geboren und heiratete Herrn Söllner aus Plankenfels.
1897 wurde Hans geboren, der spätere Braumeister und Nachfolger.
1900 kam Wilhelm, er heiratete eine geborene Schmidt aus Hollfeld und zog nach Passau. 1903 kam Georg. Er wurde Metzger und Heiratete eine geborene Jungkunz  aus Löhlitz und baute nebenan ein Haus mit Metzgerei. Es kam noch eine Tochter Margarete. Sie heiratete in die Brauerei Held in Oberailsfeld.

Johann Simon kaufte also Anfang 1906 die Brauerei und Gasthof  Westermeyer.
In der Zeitschrift „Die Brauereiwelt“ fanden wir folgenden Artikel: Das Westermeyerische Anwesen, das größte Ökonomiegut des Frankenjura ist zum Teil an Herrn Reichold zum Preis von 93 000 Mark übergegangen.
 
Um zu verdeutlichen welcher Wert dies war, haben wir herrausbekommen dass ein Bier 0,5l damals 10 Pfenning gekostet hat. Der Wochenlohn eines Brauers war 22 Mark , dafür musste Er 6 Tage die Woche mit je 10 Stunden arbeiten. Der dz Gerste kostete damals 16.- Mark.

Beim heutigen Bierpreis von  1,60 Euro, entspräche die 93000 Mark einem Kaufpreis von rund 1,5 Mio. EU.

Er kaufte also das Haus mit Brauerei und das Hofgelände. Von der landwirtschaftlichen Fläche wurde nur ein Teil  erworben. Den Rest übernahmen verschiedene  Bauern aus der Ortschaft. In den ersten Jahren hatte es Herr Johann Simon natürlich sehr schwer die finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Deshalb betrieb er zusätzlich einen Handel mit Holz und Mehl.  1909, also drei Jahre nach dem Kauf der Brauerei wurde er auf dem Heimweg zwischen Tiefenlesau und Hochstahl tödlich verletzt. Seine Frau Margarete musste nun mit den fünf Kindern die ganze Verantwortung übernehmen. Bestimmt hatte Sie für die harte Arbeit Knechte und Mägde, trotzdem haben wir es dieser Frau zu verdanken, dass wir heute unser Jubiläum feiern können. Dann kam der erste Weltkrieg. Auch diese schwere Zeit überstand Frau Margarete. Die Kinder wurden nun älter und Sohn Hans lernte Brauer und später auch noch den Braumeister 1925 heiratete Hans Reichold , Maria  geb. Teufel aus Kobelsberg. Aus dieser Ehe gingen 3 Kinder hervor. 1925 Felix mein Vater, 1933 Berta und 1943 Hildegard.

1927 übernahm nun Hans Reichold den Betrieb. Die Jahre zwischen den beiden Weltkriegen waren wiederum eine sehr schwere Zeit. Beide schafften es aber trotzdem unser Anwesen zu erhalten. Auch wurden schon bauliche Veränderungen vorgenommen.

Die Art Bier zu brauen war natürlich in dieser Zeit eine harte Arbeit.
Die heutigen Pumpen waren damals noch nicht vorhanden. So musste die Maische und das Bier beim Brauvorgang mit der Schufe von Bottich zu Bottich getragen werden. Ein ganz großes Problem war das Kühlen des Bieres.
Eine  Kühlung im heutigen Sinne hat es damals noch nicht gegeben.
Die zwei Dorfweiher wurden damals im Winter zum Eis ernten genutzt. Während der kalten Zeit wurde immer wieder Eis gestochen und in den Felsenkellern gelagert.

Dann kam der 2. Weltkrieg. Sohn Felix musste als 14. jähriger in den Krieg einziehen. Alle daheim gebliebenen hofften und beteten, dass er wieder lebend und gesund heim kommt. Tatsächlich hatte unsere Familie das ganz große Glück, nach dem Krieg wieder vollständig zu sein. Es wurden nun alle Kräfte aufgewendet, um das Anwesen weiter zu sanieren. Mein Vater erlernte den Brauerberuf und heiratete 1954 meine Mutter Anna geb. Grasser aus Kotzendorf. Im Oktober 1954 wurde ich geboren, 1958 meine Schwester Berta und 1965 mein Bruder Günther.

1955 machte mein Vater seine Meisterprüfung und übernahm 1957  den Betrieb.
Ein historischer Höhepunkt in unserer Brauereigeschichte war dann die Anschaffung einer Ammoniak - Kühlanlage. Dadurch konnte zu jeder Jahreszeit Eis gemacht werden. Dieses wurde dann zum Kühlen der Keller verwendet.

Auch wurde jetzt der erste Brauerlehrling eingestellt, dies war Helmut Reichold, ein Sohn von Georg  unserem Nachbarn. 1956 wurde die erste Gastwirtschaft mit Bier beliefert. Die Familie Schrenker in Hollfeld bezieht seit nunmehr  50. Jahren unser Bier. Herzlichen Dank für diese Treue zu unserer Brauerei und selbstverständlich werden wir dieses Jubiläum gesondert feiern

1959 bildeten wir dann den 2.Lehrling  aus. Dies war Manfred Reichold, ebenfalls unser Nachbar. Nachdem der Bierausstoß sich nun steigerte baute mein Vater Felix 1961 das heutige Brauhaus neu. Von der damals riesigen Investition provetieren wir noch heute. Die Umstellung von der Beheizung des Sudkessels von Holz auf Öl, war damals eine große Erungenschaft.

Die 60er Jahre waren die Zeit der Hausbrauer. Fast 25 Sude werden in dieser Zeit an die Hausbrauer pro Jahr abgegeben. Jeder Abholtag wurde wie ein  Feiertag gefeiert. Bevor ich 1967 daheim in die Lehre ging, wurde noch Thomas Stadter als Brauer und Mälzer ausgebildet.

Seit den 70er Jahren wurde dann regelmäßig entweder in der Brauerei oder im Gasthaus renoviert und investiert. So wurden die Eisentanks im Lagerkeller durch damals modernere Alutanks ausgetauscht. Einige Jahre später wurden diese dann schon wieder mit neuen, selbstreinigenden V2A-Tanks ersetzt.

Das Gasthaus wurde in dieser Zeit fast völlig umgebaut, Fremdenzimmer renoviert und zum Teil neu gebaut.

1979 heiratete ich meine Frau Kathinka, geborene Distler aus Neidenstein.
1980 kam unser Sohn Jörg und 3 Jahre später unsere Tochter Anke zur Welt.
1982 machte ich meine Meisterprüfung und übernahm 1986 den elterlichen Betrieb.
Nun  bauten wir Fremdenzimmer, vergrößerten das Gasthaus und der Tourismus kam somit nach Hochstahl. Seitdem kommen Gäste regelmäßig zu uns und freuen sich über gutes Essen, Bier und die herrliche Region.

Mein Sohn Jörg entschloss sich 1997 die Familientradition weiter zu führen und lernte Brauer. Das war der Anstoß für mich die Brauerei zu erneuern und zu erweitern. 1998 kauften wir einen neuen Vakuum-Füller, der beim Flaschenbier die Haltbarkeit verlängert. Das war die erste hochmoderne Füllmaschine in dieser kleinen Größe !  Ebenso die dazugehörige Etikettiermaschine. Gleichzeitig  stellten wir um von den bauchigen Euro-Flaschen auf die heutige schlanke NRW-Flasche.
Wiederum ein Jahr später tauschten wir die Rundflaschenwaschmaschine in eine Längsmaschine. Allerdings war die Maschine größer als der vorhandene Platz in der Brauerei. Wir mussten also noch mal anbauen. In diesem Zuge ersetzten wir das Kühlschiff durch einen Whirlpool zum Abkühlen der Würze.

Diese Anschaffungen waren alle nötig, um die Vorraussetzungen zu erfüllen, damit unser Bier in den Getränkemärkten verkauft werden konnte.

Nach 2jähriger Lehrzeit in Breitenlesau stieg mein Sohn Jörg 2000 in den Betrieb ein.
Im Jahre 2002 legte Er mit Erfolg seine Meisterprüfung im Brauerhandwerk ab.
Bei der Feier zur bestandenen Prüfung entstand den neuen Meistern die Idee einen Meistersud zu brauen. Noch in der gleichen Nacht wurde der Meisterbock eingebraut. Die war die Geburtsstunde unseres alljährlichen Bockbierfestes.

Jörg  verkaufte nun unser Bier an heimischen Getränkehändler und konnte somit Jahr um Jahr den Bierumsatz steigern, was noch mal einen Anbau mit sich führte.
2003 nahmen wir unseren neuen Gär- und Lagerkeller in Betrieb. Dieser ist mit einer modernen Computer gesteuerten Tankreinigungs-Anlage mit Gärtemperatursteuerung ausgestattet. Mit Stolz schauen wir heute auf unsere kleine, moderne Brauerei.

Da über der Brauerei war noch Platz war, bauten wir nochmals 7 Fremdenzimmer und renovierten die Bestehenden zu jetzt insgesamt 28 Zimmern.

Gerne hätten wir zum 100jährigen Jubiläum unsere neue Bierlagerhalle mit dem neuen Parkplatz eingeweiht. Leider hat der lange Winter dies verhindert.

Es ist bestimmt nicht einfach einen kleinen Familienbetrieb über nunmehr 4 Generationen immer an die Kinder weiter zu geben. Globalisierung, Strukturwandel und der immer größer werdende Preisdruck der Großbrauereien in der heutigen Zeit machen es einem kleinen Familienunternehmen wie uns, nicht  leicht.

Wenn man jedoch wie wir das Glück hat, eine große Familie zu haben, eine Verwandtschaft, die immer da ist, wenn man Sie braucht und natürlich unsere Mitarbeitern auf die man sich verlassen kann , können wir gelassen in die Zukunft schauen.

Meinem Sohn Jörg, der dann in der fünften Generation  den Betrieb führen wird, wünsche ich für die Zukunft viel Glück, Erfolg und vor allem Freude an der Arbeit in unserem Familienbetrieb.

Ich bedanke mich nun bei  Ihnen, liebe Gäste, für Ihr Kommen, bei den Wirtsleuten, die unser Bier schon jahrelang beziehen, bei den Getränkehändlern,  die unser Bier in Ihren Märkten verkaufen bei den anwesenden Hausgästen, für die  jahrelange Treue zu unseren Haus , natürlich bei all unseren Kunden und Gästen, die schon über Jahre und Jahrzehnte zu uns Kommen. Seit 20.11.2014 hat sich unsere Küchenchefin zur Geschäftsführerin selbsternannt! Sie wollte gar nicht mehr in den Urlaub und schmeißt den Laden jetzt alleine!

Brauereienweg

Wegen der Brauereidichte ( 375 Einwohner pro Brauerei ) ist die Gemeinde Aufsess in das Guinness-Buch der Rekorde 2001 aufgenommen worden. Mehr zum Brauereiweg finden Sie hier

Brauereibesichtigung

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